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Praxis Integrative Primärtherapie

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Die Intensiv-Phase

Die sogenannte Intensiv-Phase könnte man als „ Herzstück“ der Primärtherapie bezeichnen, als wichtige Konzentration der Therapie zu Beginn - der erste ganz wichtige Schritt auf dem Weg zu sich selber über den Körper und die Gefühle. Diese wichtige Zeitspanne zu Beginn der Therapie dauert in der Regel drei Wochen.


SET und SETTING


SET (= die äußere Gestaltung):
Der Therapieraum spielt in der Primärtherapie eine durchaus wichtige Rolle: er ist ausgelegt mit Matratzen, Decken und Kissen, kann gut abgedunkelt werden, ist eher schalldämpfend und erinnert an eine Höhle, ein Nest oder sogar die Gebärmutter - der Raum bietet dadurch eine geschützte und sogar gemütliche Atmosphäre und unterstützt dadurch den eigenen Prozeß des Sichfallenlassens in die Kindheit, in die Vergangenheit. Ein roter „Wutsack“ signalisiert einem, daß man hier auch die Erlaubnis hat, seine meist eher kontrollierten und zurückgehaltenen Wutgefühle zum Ausdruck zu bringen. Viele Rollen mit saugfähigem, weichem Papier sind für die bisher oftmals ebenfalls zurüchgehaltenen Tränen. Also, der typische Primärtherapieraum signalisiert: DU DARFST FÜHLEN UND DEINE GEFÜHLE ZEIGEN!


SETTING (die therapeutische Gestaltung):
Die Intensiv-Phase kann sowohl im Einzeltherapiesetting als auch im Kleingruppentherapiesetting stattfinden. Das Kleingruppensetting hat sich bei mir in den Jahren, seit ich primärtherapeutisch arbeite (seit 1978) deutlich als besonders hilfreich und unterstützend erwiesen, wobei Einzelsitzungen bei Bedarf und Notwendigkeit auch zusätzlich möglich sind. Die Gruppe bietet durch die anderen Teilnehmer/innen insofern eine hilfreiche Erfahrung, da Du nun erlebst, daß Du nicht allein bist mit all Deinen schmerzlichen Erfahrungen - Du erlebst Dein Gegenüber in seiner /ihrer Gefühlswelt und beginnst Dich auch zu trauen. Du kannst die übrigen Gruppenmitglieder wie Stellvertreter/innen Deiner Herkunftsfamilie erleben, Du läßt Dich berühren oder bist auch genervt - auf jeden Fall gehst Du in Reaktion mit aktuellen Gefühlen und dies kann schon der Einstieg in Deine eigene Geschichte bedeuten! Der/Die Therapeut/in geht während der dreistündigen Sitzungen zu jedem Einzelnen und unterstützt den jeweiligen Prozeß - wichtig hierbei ist, daß Du ihn/sie auch rufen kannst, wenn es in diesem Moment für Dich wichtig und sinnvoll ist. Da kannst Du eventuell schon sehr intensiv fühlen, wie schwer es Dir sein kann, zu rufen. Zum Abschluß der Primärsitzung, die im übrigen hauptsächlich im Liegen erfolgt, gibt es eine Gesprächsrunde im Sitzen, um die erlebten Erfahrungen nochmals in Worte zu fassen und damit „in die Welt“ zu bringen.
Die Primärtherapie ist eine regressionsfördernde körper- und emotionalorientierte Psychotherapie und die Abschlußrunde dient auch dazu, wieder in das Hier und Jetzt zu kommen und wieder als Erwachsener das Erlebte zu reflektieren und zu verarbeiten.
Die Intensiv-Phase dauert also in der Regel drei Wochen. In dieser Zeit wird empfohlen, den Kontakt zu seiner/ihrer Familie, den Freunden und Bekannten nur über briefliche Form zu pflegen. Telefonkontakt ist nicht so sinnvoll. Diese Empfehlungen haben sich über die Jahre sehr positiv bewährt - sollte es Dir zu schwer fallen, ist dies schon wieder ein Einstieg in Deine Geschichte und manchmal sind Ausnahmen auch gut. Weiterhin ist es sinnvoll, sich zum Wohnen für diese drei Wochen einen Platz der Stille zu suchen, das können ein Hotel oder ein Wohnungstausch oder ein gemietes Zimmer sein. Unbedingt notwendig ist der Verzicht auf Drogen jeglicher Art, besonders Nikotin verstärkt die Abwehr und wenn Du noch rauchst, dann hast Du dies bislang gebraucht, um Dein Abwehrsystem aufrecht zu erhalten. Alkohol verstärkt natürlich auch die Abwehr. Da es jetzt jedoch darum geht, seine Abwehr kennenzulernen, ist jedwedes suchtmäßige Verhalten genau zu beobachten und im Schutz der Intensiv-Therapie aufzugeben. Sucht kann natürlich auch ausgelebt werden in der Eßsucht, Lesesucht, Arbeitssucht, Sexsucht, TV-Sucht und vieles mehr. Sucht wird allgemein so definiert, daß man etwas braucht, um sein augenblickliches Unwohlgefühl in ein relatives Wohlgefühl zu verwandeln und ist mit einer Dosissteigerung verbunden. In unserer heutigen Zeit ist z.B. die Arbeitssucht sehr verbreitet und gesellschaftlich durchaus anerkannt, bringt uns jedoch ebenso ins unlebendige Abseits wie das Rauchen.

Die Kleingruppen-Sitzung ist also eine äußerst sinnvolle Kombination aus dem Setting der Einzeltherapie = jeweilige Einzelarbeit mit dem Therapeuten/ der Therapeutin während der Gruppe und der Gruppentherapie.
Soweit das SET und das SETTING.

 

Dr. Sigmund Freud, der "Erfinder" der Psychoanalyse, behandelte seine Patienten/innen zu Beginn in seinem Wohnzimmer im Liegen auf seiner Couch und war zutiefst erstaunt über die heftigen Gefühlsausbrüche (= sogenanntes kathartisches Erleben) seiner Patienten/innen, die er in der Folgezeit eher stoppte, da er sich offenbar überfordert fühlte. Dr. Arthur Janov, von seiner Ausbildung her promovierter Psychologe und Schüler der freudianischen Richtung, entdeckte dieses kathartische Erleben neu und gab ihm Raum. Später nannte er es „PRIMAL" = eine wiedererlebte frühe, meist traumatische Erfahrung, die nicht nur gedanklich erinnert wird, sondern ganzheitlich erlebt wird. So kann man z.B. die Körpererfahrung des kleinen Kindes zusammen mit den Erinnerungen, Bildern, Stimmen, Geräuschen und Gerüchen erleben - es fühlt sich an wie damals, nur daß es jetzt in einem geschützten Raum passiert und man seine Gefühle mehr und mehr ganz zum Ausdruck bringen darf! Also, beim „PRIMAL" - der wiedererlebten frühen schmerzlichen, ängstigenden oder traurigen Erfahrung - hat man heute in der Therapie jemanden an seiner Seite - das ist in der ersten Zeit vor allem der Therapeut, später aber auch durchaus die anderen in der Gruppe, die einem Sicherheit und Schutz vermitteln. Weiterhin ist es so, daß man seinen eigenen inneren Beobachter - einen „inneren Zeugen“ dabei hat, der einfach mitschwingt ohne zu urteilen.

Die Intensiv-Phase als wichtiges Kernstück zu Beginn einer Primärtherapie gibt Dir die Möglichkeit, Deine Verpanzerungen und Deine Abwehr kennenzulernen. Beides hat Dir früher einmal geholfen, zu überleben. Meist im Alter zwischen 5 - 7 Jahren sind Abwehrmechanismen bereits wichtige Bestandteile Deiner Überlebensstrategie und meist hast Du sogenannte Überlebensentscheidungen getroffen (siehe „Scripts people live“ von Claude Steiner / Fanita Englisch) wie z. B. „besser bleibe ich allein - dann kann mir keiner mehr so richtig weh tun." Diese Überlebensentscheidung vergißt oder verdrängt man schließlich aus seinem Bewußtsein, verhält sich allerdings unbewußt entsprechend und bindet sich z.B. nicht dauerhaft, ist tatsächlich allein und vermag dies nicht wirklich zu ändern. Solche unbewußten Strategien zu entdecken und ans Licht zu holen ist natürlich Bestandteil einer jeden Therapie, also auch hier in der Primärtherapie, wobei es hier mit einem ganzheitlichen Erleben der frühen Verletzungen einhergeht. Weiterhin geht es darum, Familienmuster zu entdecken und aufzuarbeiten - wie auch in anderen Therapien.

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